Sie sind Königinnen

 

Metzingen

Die Ausstellung „Sie sind Königinnen“ ist bis Ende Februar im Rathaus zu sehen

Was mit einer Eingebung im Altenzentrum begonnen hat, am Kaffeetisch weitergesponnen wurde und letztlich in einer Tiefgarage prominente Anhänger gefunden hat, ist vollendet: „Sie sind Königinnen“.

Nochmals als Kind oder, um ein noch entspannteres Leben zu führen, als Katze, möchten einige der Damen, die sich für die Ausstellung „Sie sind Königinnen“ fotografieren ließen und der Künstlerin Katharina Gütter ihre Geschichten dazu erzählten, wiedergeboren werden. Doch trotz dieser sicherlich nicht ganz ernst gemeinten Wünsche sprechen etliche der älteren Damen im Alter zwischen 77 und 103 Jahren von „einer schönen Kindheit“, arm sei man zwar gewesen, aber „nein, wir hatten damals nie das Gefühl, dass etwas fehlt“, ist oftmals zu hören.

Zu Ohren kamen diese Erzählungen auch der Metzingerin Katharina Gütter, als sie ihre Mutter in einem Seniorenheim besuchte. „Diesen Stolz und diese Würde, die ich bei diesen Frauen spürte, wollte ich unbedingt festhalten und sichtbar machen“, verrät die Künstlerin über den Ursprung ihrer Ausstellung. Bei einem Tässchen Kaffee bei ihrem Nachbarn und früheren Klassenkameraden, Metzingens Hauptamtsleiter Günter Käpernick, wurde die Idee dann zu einem konkreten Projekt, für das sich mit der Paul-Lechler-Stiftung, der Volksbank-Stiftung und der Stadt Metzingen auch rasch Sponsoren finden ließen.

Die bereits erwähnte Tiefgarage kam ins Spiel, als der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler seine Parteigenossin und Sozialministerin, Katrin Altpeter, zwischen Tür und Angel unter dem Stuttgarter Landtag fragte, ob sie nicht zur Eröffnung der Ausstellung kommen möchte, sie „war sofort begeistert von diesem bemerkenswerten Ansatz der Ausstellung.“

So erlebte das Rathaus Metzingen gestern die wohl größte Vernissage seiner Geschichte. Scharenweise waren nicht nur die beteiligten rund 30 „Königinnen“ und ihre Angehörigen, sprich der Hofstaat, sondern auch das gemeine Volk gekommen, um die beachtlichen Lebensleistungen der Frauen zu würdigen, die mit der Ausstellung aus der Vergessenheit in den Mittelpunkt gerückt werden, wie es Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler ausdrückte. „Wie es sich für Königinnen geziemt: Ich verneige mich voller Respekt und Dankbarkeit vor ihnen“, sagte er voller Anerkennung.

„Diese Ausstellung macht Geschichte erlebbar. Man spürt förmlich die wehmütigen und schmerzlichen Erinnerungen der Damen und die Wertschätzung, die die Künstlerin ihnen entgegengebracht hat“, ergänzte Ministerin Altpeter. Und sie prophezeite: „Die Ausstellung wird ihren Weg von Metzingen aus machen und wird Frauen auch andernorts Mut geben, ein aufrechtes Frauenleben zu führen.“

Katharina Gütter berichtete von den Erzählungen der Frauen, wie es aus Sicht der Frauen überhaupt zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten kommen konnte und wie die anfängliche Euphorie in Trauer umschlug, als erste Opfer zu beklagen waren. „Ich hatte viel Freude dabei, aus meinem eigenen Ich herauszutreten und die Welt durch die Augen der Frauen aus einer anderen Generation zu sehen“, sagte Gütter. Sie wünscht auch den Ausstellungsbesuchern viel Freude beim Entdecken dieser Welt.

Zu Klängen des Salonorchesters der Musikschule unter der Leitung von Henry Großmann wurden die „Königinnen“ und ihre Gäste auch königlich im Sitzungssaal des Rathauses bewirtet und sicherlich ausführlich zu ihren Erlebnissen befragt.

Autor: MICHAEL KOCH |

 

Königinnenporträts: