Südwest Presse, 04.10.2018

Metzingen, Autor: Michael Koch | 04

 

Eine Hommage an die Heimat

Metzingen. Katharina Gütter hat in ihrer Heimatstadt Metzingen Gütles- und Wengerterhäusle fotografiert. In einer Ausstellung im Metzinger Rathaus werden ab Freitag, 19. Oktober, allerlei spannende Geschichten dazu erzählt.

Aufgewachsen ist Katharina Gütter in den Nachkriegsjahren in Metzingen. Genauer in einem Haus im Säbühl, neben der heutigen Landesoberkasse. Direkt hinter dem Haus begannen damals noch Wiesen und Felder, heute liegt dort das Wohngebiet Harthölzle. Viele Einwohner Metzingens waren damals noch Selbstversorger, auf den Tisch kam, was die Natur hergab. Aus der Stadt zogen meist Frauen hinaus zur Feldarbeit, die Gütterkinder ließen sich nur allzu gerne auf den Bollerwagen mit raus in die Natur auf die Gütle ziehen. Dort begann für sie die Freiheit, der kindlichen Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. „Hier lebten für uns Gnome, Elfen und Hexen, wir sponnen uns unsere Geschichten zusammen“, erinnert sich Katharina Gütter.

Nie vergessen hat sie den speziellen Charme der Gütles- und Wengerterhäuschen, in und um die herum sie damals spielte. „Sie hatten eine besondere Atmosphäre und einen ganz eigenen Geruch – das vergisst man nie.“

Fürs Leben geprägt von diesen Eindrücken hat sich die heute in Köln wohnhafte Künstlerin nun auf die Spuren von damals gemacht. Viele der Häuschen von einst sind nicht geblieben, speziell in ihrem Kindheitsrevier hat sich viel verändert. Katharina Gütter hat sich aber umgesehen und rund um Metzingen zahlreiche Häuschen entdeckt, die sie an ihre Kindheitsgeschichten erinnern. Am Weinberg, am Florian, am Spahlerbach oder am Wippberg – es gibt noch zahlreiche dieser Hütten. Und jede hat ihre eigene Geschichte.

 

Bilder und Geschichten

„Wenn ich die Eigentümer zufällig angetroffen habe, dann haben die mir natürlich die tollsten Geschichten erzählt“, verrät Gütter. Von einer Schwangeren, die in einem Häuschen ein Kind zur Welt brachte. Von Wertsachen, die zum Kriegsende in den Häuschen vor den Alliierten versteckt worden waren oder gar unter Obstbäumen vergraben wurden.

Schnell reifte jedenfalls in Katharina Gütter die Überlegung, eine Ausstellung mit ihren Fotos zu machen. Als Partner für die Organisation und Umsetzung fand sie Günter Käpernick. Der frühere Metzinger Hauptamtsleiter ist nicht nur profunder Metzingen-kenner, sondern auch ein Meister des Schwäbischen. So fanden Bilder und Texte alsbald zusammen und die nächste Rathausausstellung stand in den Startlöchern.

„Die Häuschen erzählen fiktive Geschichten, 80 Prozent davon auf Schwäbisch“, erzählt Katharina Gütter. Darüber hinaus werden Texte und Gedichte namhafter Dichter und Denker, immer thematisch zum Foto passend, ausgestellt.

Rund 60 verschiedene Häuschen hat die Künstlerin in den vergangenen zwei Jahren im Bild festgehalten, etwa 40 davon werden in der Ausstellung zu sehen sein. Von Jahr zu Jahr nagt der Zahn der Zeit an den Hütten. Von einem Jahr aufs andere erkennt man sie fast nicht wieder, wenn sie zuwachsen oder gar zerfallen. Längst nicht alle werden heute noch genutzt. „Die Häuschen sind ein historischer Teil Metzingens“, urteilt Günter Käpernick. Die Ausstellung sei somit durchaus als Hommage an ihre Heimatstadt und an das Schwäbische an sich zu verstehen, ergänzt die Künstlerin. Auch der Arbeitskreis Stadtgeschichte möchte sich des Themas noch annehmen.

Im Anschluss an die Ausstellung im Metzinger Rathaus (siehe Infokasten) wird Katharina Gütter ihre Bilder zum Stückpreis von 100 Euro verkaufen. Der Erlös kommt komplett einem neuen Projekt im Haus Matizzo zu, das unter dem Namen „Metzingen chauffiert“Anfang des kommenden Jahres beginnen soll. Dabei soll Menschen mit Behinderungen oder Senioren ein ehrenamtlicher Fahrdienst zur Verfügung gestellt werden. „Wir finden, dass wir hier eine sehr gute Anschubfinanzierung leisten können“, sagen Gütter und Käpernick unisono.