Südwest Presse, 03.02.2016

Metzingen, Autorin: Christina Hölz | 03

 

Helden in Märchenkleidern

METZINGEN: Mutige Ritter, fröhliche Zecher. Samt und Seide, Sack und Asche. Und ein Held, der gegen das Böse siegt. Ja, aus diesem Stoff lässt sich Theater für laue Nächte machen: Der Veranstaltungsring gibt „Robin Hood.“

Die Anprobe für "Robin Hood "läuft: Kostümbildnerin Katharina Gütter (li.) zeigt das Samtkleid der Lady Marian. Rechts im Bild Regisseurin Birgit Hein. Foto: Christina Hölz

Die Anprobe für „Robin Hood „läuft: Kostümbildnerin Katharina Gütter (li.) zeigt das Samtkleid der Lady Marian. Rechts im Bild Regisseurin Birgit Hein. Foto: Christina Hölz

Das Mittelalter boomt. Hier ein Burgfest, dort ein Rittermahl, historische Märkte überall. Von den aufwendigen Kino- und TV-Produktionen in jüngster Zeit ganz zu schweigen – viele sind Quotenrenner, vom „Medicus“ bis zur „Pilgerin“.

Klar, dass auch die Theatermacher der Faszination für die düsteren Jahrhunderte Rechnung tragen. Welche Epoche bietet sich schon besser an für Kostümorgien als das sagenumwobene Mittelalter? Die Zeit, in der Gaukler, Ritter, Räuber und Adelige ihren Platz finden. Womit wir schon mitten drin wären in der neuesten Inszenierung der Metzinger Kelternspiele: Das Musical „Robin Hood“, steht vom 22. Juli an auf dem Spielplan des Veranstaltungsrings. Aufführen wollen die neue Regisseurin Birgit Hein und ihr Team das Stück mit Musik von Martin Doepke wie gehabt unter freiem Himmel auf dem Metzinger Kelternplatz.

Die Story um den englischen Nationalhelden (Robin Hoods Existenz ist übrigens historisch nicht belegt) also, der mit seinen „fröhlichen Gefährten“ im Sherwood-Forest für Gerechtigkeit kämpft. Ein süffiger Stoff für lauschige Sommernächte. Und ein Stoff, der vor allem eines braucht: gute Kostüme. Was die angeht, können die Metzinger Kelternspiele dieses Jahr auf die Kompetenz einer renommierten Bühnen-Fachfrau zählen: Die gebürtige Metzingerin Katharina Gütter – einst in Diensten des Tübinger Landestheaters und heute unter anderem Maskenbildnerin für die Erfolgsserie „Die Fallers“ – hat in Sachen „Robin Hood“ den Job der Kostümbildnerin übernommen. Weil die Tochter des Veranstaltungsring-Mitgründers Fritz Gütter teilweise in Köln und teilweise in Metzingen lebt, läuft die Anprobe für die rund 35 Darsteller des Musicals schon jetzt auf Hochtouren.

Auch unsere Zeitung durfte einen Blick in das Atelier der studierten Textildesignerin werfen – ein Raum in ihrem Wohnhaus, der durchaus als Kostümfundus für ein mittelgroßes Schauspielhaus durchgehen könnte. So üppig ist die Auswahl – so dicht an Kleiderstangen aufgereiht, in Truhen aufbewahrt und in Regalen zusammengelegt, präsentieren sich die zahllosen Kostüme. Ob Pluderhosen oder Rüschenkleidchen, Fell oder Flanell, Leder und Lack – es findet sich allerhand, um Robin und seine Räuber phantasievoll einzukleiden. Und Katharina Gütter hat auch schon die Garderobe der Figuren im Kopf: Den Helden (gespielt von Fabian Brändle) steckt sie in eine ärmellose, braune Lederweste mit Knebelknöpfen. Seine Liebste, Lady Marian (Anna Müller), schmachtet in hellrotem Samt, und die „fröhlichen Gesellen“ um Little John (Gottlieb Jud) bekommen ein Räubergewand mit Löchern und Lederflicken verpasst.

Extravagant das Böse: der Sheriff von Nottingham „sieht ein bisschen sadomäßig“ aus, sagt die Textildesignerin. Und dann wäre da noch König Richard Löwenerherz. Den guten Herrscher gibt Veranstaltungsring-Chef Konrad Kramer höchstselbst.

Katharina Gütter hantiert bei den Anproben mit Nadel, Schere – und Freude an der Arbeit: „Kaum haben die Darsteller ihr Kostüm angezogen, wird ein neuer Mensch aus ihnen“, sagt sie und lacht. „Dann reden sie anders und bewegen sich anders.“ Den Job in ihrer Heimatstadt hat die freischaffende Theaterfachfrau mit viel Fernseh- und Bühnen-Erfahrung gerne angenommen, erzählt sie. „Schließlich bin ich mit dem Veranstaltungsring groß geworden“. Manches Programm hat sie als Kind an die Haushalte der Stadt verteilt.

In Metzingen zeichnete Gütter 2013 übrigens auch für die Portraitserie „Königinnen“ über Frauen der Kriegs- und Nachkriegsgeneration verantwortlich. Nun hüllt sie die Darsteller des Robin Hood in „tendenziell märchenhafte“ Kleider, wie Regisseurin Birgit Hein betont. Heins Inszenierung kommt weder flippig-grell, noch überladen mit Schminke und Perücken daher. Auch das Bühnenbild ist schlicht und reduziert. Eine Burg muss aber sein. Und als Regie-Gimmick ein wenig Lokalkolorit: die Protagonisten trinken Metzinger Wein.

Sonst erwartet die Zuschauer aber ein klassischer „Robin Hood“ mit viel Platz für die Elemente des Schauspiels. Birgit Hein: „Bei uns stehen die Darsteller im Vordergrund.“

 

Kelternspiele: Veranstaltungsring sucht noch Darsteller für „Robin Hood“

Das Musical „Robin Hood“ hat am Freitag, 22. Juli, um 20 Uhr auf dem Kelternplatz Premiere. Dauer: mit Pause rund zweieinhalb Stunden. Es werden noch Darsteller gesucht. Die Proben laufen montags von 19 bis 21 Uhr in der Aula der Uhlandschule Neuhausen.

Wer Interesse am Mitmachen hat, meldet sich bei der Musikschule Metzingen, wo es weitere Informationen gibt. Denn beim Projekt mischt auch die neue Musical-Werkstatt der Musikschule maßgeblich mit.

Das neu aufgestellte Team der Kelternspiele unterm Dach des Veranstaltungsrings Metzingen besteht aus Stephen Blaich, Fabian Brändle, Birgit Hein (Regie) und Katja Privitera (Choreographie). Das letzte Open-Air-Musical lief 2013, damals kamen rund 2500 Zuschauer auf den Kelternplatz. Nach drei Jahren Pause nun also „Robin Hood“, komponiert von Martin Doepke.

Die Theater- und Musicalaufführungen unter freiem Himmel sind einst vom langjährigen VRM-Vorsitzenden Dr. Horst Laubner ins Leben gerufen worden. Er führte auch all die Jahre Regie. Bei „Picknick im Pyjama“ 2013 war Christian Wißler verantwortlich. Jetzt haben die Kelternspiele eine neue Regisseurin: Birgit Hein. Die 50-Jährige war an der Württembergischen Landesbühne Esslingen tätig und hat zuletzt als künstlerische Leiterin des Naturtheaters Renningen Besucherrekorde eingefahren. Sie wohnt in Kohlberg und arbeitet als freiberufliche Theaterpädagogin und Regisseurin.