Südwest Presse, 12.01.2013

Metzingen, Autor: MICHAEL KOCH |

 

Die Königinnen haben das Wort

Die Idee ist neu, kommt eigentlich aber sehr spät: Katharina Gütter hat Frauen porträtiert und interviewt, die in den Kriegsjahren oder während der Zeit danach Außergewöhnliches geleistet haben.

„Sie sind Königinnen“ heißt eine Ausstellung im Rathaus Metzingen, die dort am 25. Januar eröffnet wird. Die würdevollen Damen, die dort auf Fotos zu sehen sein werden, haben ihren 80. Geburtstag fast ausnahmslos schon gefeiert, vereinzelt sind sogar betagte Frauen jenseits der 100 Jahre dabei.

Sie alle haben gemeinsam, dass sie die Schrecken des Krieges bei vollem Bewusstsein miterlebt haben. Plötzlich waren der Ehemann oder Vater weg, teils an der Front, teils schon gefallen, und die Frauen daheim waren auf sich alleine gestellt. Es gab viel Leid, Tod, Vertreibung und andere harte Schicksalsschläge, und trotzdem haben die Frauen immer weiter gekämpft, ums nackte Überleben im Alltag.

„Die Lebensleistung dieser Frauen droht heute in Vergessenheit zu geraten. Die Ausstellung ist eine tolle Gelegenheit, diese Damen in die Öffentlichkeit zu rücken“, ist Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler von der Idee der Ausstellung ganz begeistert. Und nicht nur er: Zur Vernissage am 25. Januar hat sich die Arbeits- und Sozialministerin des Landes Baden-Württemberg, Katrin Altpeter, angekündigt – wohl wegen der Einmaligkeit des Projektes.

Hinter den „Königinnen“ steht Katharina Gütter, selbst eine Metzingerin. Als sie ihre Mutter in ein Seniorenheim geben musste, hatte sie während einer der Besuche quasi die entscheidende Eingabe. „Die älteren Frauen dort strahlten einen solchen Stolz, eine solche Würde aus, das wollte ich irgendwie für die Nachwelt festhalten“, erzählt Katharina Gütter.

So interviewte und fotografierte sie zahlreiche Frauen, die Kontakte entstanden über Seniorenheime, Kirchen oder Institutionen wie die Stadtbücherei. „Am Ende war es fast ein Selbstläufer und einige Damen haben mich von sich aus angerufen, um mir ihre Geschichte zu erzählen“, so Gütter. Und zu erzählen, so versichert sie, hatten die Damen eine Menge. Von großer Tragik bis zur amüsanten Anekdote reichte dabei die Palette.

In der Ausstellung, die von der Paul-Lechler-Stiftung, der Volksbank-Stiftung und der Stadt Metzingen finanziell unterstützt wird, werden mehr als 30 große Porträtbilder und anonymisierte Geschichten der Damen, allesamt in Metzingen wohnhaft, zu sehen und zu lesen sein. „In den Bildern steckt jeweils auch ein Stück Seele der Frauen.“

Hauptamtsleiter Günter Käpernick, als ehemaliger Klassenkamerad der Künstlerin von Beginn des Projektes an ein Unterstützer der Ausstellung, freut sich auch auf den Besuch der alten Damen. „Bei Kaffeehaus-Musik werden wir sie im Sitzungssaal des Rathauses empfangen und behandeln wie die Königinnen“, verspricht er. Wer einen Blick in die Ausstellung geworfen hat, wird überzeugt sein, dass sich die Damen dies verdient haben.

Info Zur Vernissage „Sie sind Königinnen“ am Freitag, 25. Januar, um 15 Uhr, ist auch die Bevölkerung ins Foyer des Rathauses herzlich eingeladen. Die Ausstellung wird dann bis Ende Februar zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen sein.