Reutlinger General-Anzeiger, 26.01.2013

Rote Rosen für starke Frauen

Von Andreas Fink

METZINGEN. Eine starke Ausstellung über starke Frauen: »Sie sind Königinnen« heißt die Bilder- und Textschau, die seit gestern im Metzinger Rathaus zu sehen ist. Die gebürtige Metzingerin Katharina Gütter hat 32 Frauen aus der Sieben-Keltern-Stadt fotografiert und interviewt, die von ihren Erlebnissen in der (Nach-) Kriegszeit berichten. Neben den Porträts im Format 40 auf 60 Zentimeter hängen Auszüge von Interviews mit den Frauen. Beeindruckende Dokumente von Menschen, die mit ihren Worten und ihrem Gesicht unglaublich viel zu erzählen haben.

»Als ich die Bilder zum ersten Mal gesehen habe, war ich schlicht begeistert«, sagt der Metzinger OB Dr. Ulrich Fiedler, »begeistert von der Schönheit der Frauen und von der Schönheit der Bilder.« Die Damen im Alter zwischen 79 und 104 Jahren schauen offen in die Kamera von Katharina Gütter. Mal spitzbübisch lächelnd, mal offen lachend, mal zurückhaltend, selten ernst, nie hart. Darunter kurze Zitate: Ich gebe nicht auf. Ich habe gelernt, selbstständig zu werden. Ich wäre so gern Sängerin geworden. Manchmal höre ich im Traum noch die Sirenen.

Das pralle Leben

Die Frauen erzählen vom Krieg. Von seiner Unbegreiflichkeit, seiner Absurdität, von der Grausamkeit und Sinnlosigkeit des großen Sterbens. Eine Frau erzählt, wie sie den Kriegsbeginn erlebt hat. Es wurde geschrien und geweint. Der Nachbarjunge erklärte ihr: »Des isch so, des ko sei wenn du do sitscht do bischt du plötzlich he.« Gleichzeitig die Begeisterung über die Fahnen und Parolen. Deutsche Kinder, Ihr seid unsere Zukunft. Dann verstörende Erlebnisse bei der Reichskristallnacht, eine Frau sieht, wie ein Konzertflügel aus dem Fenster fliegt. Die Bombenangriffe, die Männer, die gebrochen aus dem Krieg zurückkehren – wenn sie überhaupt kommen. Und das große Elend nach ’45. Mein Vater ist in den Armen meiner Mutter verhungert.

Bewegende Berichte, die nur deshalb erträglich sind, weil daneben die starken Frauen stehen, die bei der Eröffnung wie Königinnen lächelten oder strahlten. Und weil Katharina Gütter auch mit Frauen gesprochen hat, die hinreißend komische Geschichten erzählen. Das pralle Leben.

»Sie sind besondere Stützen unserer Gesellschaft«, sagt OB Ulrich Fiedler, »Sie haben einen wesentlichen Beitrag zum Ausbau unserer Republik geleistet – ich verneige mich vor Ihnen.«

Das tut auch die baden-württembergische Sozialministerin Katrin Altpeter, der »sofort klar war, dass hier etwas sehr Bemerkenswertes stattfindet«. Die »Königinnen« stehen stellvertretend für eine ganze Generation von Frauen und zeigen dennoch lauter individuelle Lebensgeschichten. »Sie bringen uns Geschichte anders nahe, als wenn wir sie im Geschichtsbuch lesen würden«, so die Ministerin, »wir sehen die ganz konkreten Auswirkungen von großen Ereignissen auf einzelne Lebensläufe.«

Geschichte anders erleben

Eine wichtige Ausstellung, sagt Katrin Altpeter, weil sie eine große Wertschätzung der Porträtierten zeigt. Vor den Frauen, die nicht »eine starke Frau an seiner Seite« waren, sondern selber ihren Mann standen.

Zu sehen ist die Ausstellung »Sie sind Königinnen« im Foyer des Metzinger Rathauses noch bis Ende Februar. (GEA)